Bourbon-Vanille
Die Bourbon-Vanille bzw. Bourbon Vanillezucker zählt eindeutig zur Kategorie
meiner Lieblingszutaten. Warum die Bourbon Vanille auch Königin der Gewürze genannt wird
wird klar, wenn man sich die Aromakomplexität und den Herstellungsprozess einmal genauer
anschaut.
Anbau
Die Gewürz-Vanille gehört zur Gattung der Orchideen und wird hauptsächlich auf Madagaskar
und Réunion, aber auch auf weiteren Inseln des Indischen Ozeans angebaut.
Nur Vanille die auf den Inseln Madagaskar, Komoren und La Réunion angebaut wird,
darf als Bourbon Vanille deklariert werden.
Die Blüten von Vanille sind gelblich-grün und werden in mühevoller Arbeit von
Hand bestäubt. Ca. 4 Wochen braucht es, bis ein länglicher, gelb-grüner
Fruchtknoten gewachsen ist. In diesem Stadium hat die Vanille noch keine typischen
Aromen.
Verarbeitung
Inaktivierung vegetativer Entwicklung: Die Knoten werden gepflückt und die weitere Reifung
durch blanchieren (thermische Behandlung bei 70°C)
verhindert. Hierbei werden Zellstrukturen zerstört und Enzyme freigesetzt. Diese spielen
eine wichtige Rolle bei der späteren Aromabildung.
Schwitzen: Anschließend kommen die Schoten in ein Schwitzbad. Dieses sorgt dafür, dass
Feuchtigkeit schnell entweichen kann. Das senkt das Risiko eines mikrobiellen Befalls.
Gleichzeitig sind die natürlich enthaltenen Enzyme in diesem Schritt am aktivsten.
Hier kommt es maßgeblich zur Aroma- und Farbbildung.
Trocknen: Dann werden die Vanilleschoten getrocknet z. B. in der Sonne. Hier wird
erneut Feuchtigkeit entzogen, was die Haltbarkeit verlängert und sowohl
unerwünschte Enzymaktivität als auch unerwünschte biochemische Reaktionen verhindert.
Die Farbe ändertsich während der Fermentation von gelblich zu dunkelbraun.
Konditionierung: In diesem Schritt werden die Vanilleschoten für mehrere Monate
in geschlossenen Gefäßen gelagert.
Das ermöglicht chemische und biochemische Reaktionen, wobei eine Vielfalt aus ca.
170 verschiedenen flüchtigen Aromakomponenten entstehen.
Aromabildung in der Vanille
Wichtige Aromakomponenten in der Vanilleschote sind z. B. Vanillin und Vanillinsäure. Ist die
Schote noch grün und frisch geerntet, liegen die Geschmackskomponenten als Glykoside
vor, d.h. sie sind an Zucker gebunden (z. B. Glucovanillin). Hauptsächlich während
des Schwitzbads kommt es zu natürlich induzierten enzymatischen Reaktionen. Das Enzym
ß-Glycosidase löst die Bindungen zu den Zuckermolekülen und setzt so die zahlreichen
Vanille-Aromakomponenten frei.
Bourbon-Vanillezucker
Der Bourbon-Vanillezucker besteht aus Rohrzucker und echter aromatischer Vanille. Im
Vergleich dazu enthält Vanillinzucker nur Vanillin-Aroma und nicht das volle Aromaspektrum
echter Vanille. Vanillin wird aus Guajacol (sekundärer Pflanzenstoff des Guajak-Baums) oder
Lignin (Wichtiger Bestandteil von Holz) synthetisiert.
